
Der Ursprung liegt in der Dunkelheit frühkapitalistischer
englischer Zustände. American Staffordshire Terrier entstanden,
wie auch der Staffordshire Bull Terrier, ursprünglich vermutlich
aus Kreuzungen zwischen den altenglischen Bulldogs und verschiedenen
Terriern. Hunderassen im heutigen Sinne gab es damals noch nicht,
und so hat das heutige Erscheinungsbild der Staffords so gut wie
gar nichts mehr zu tun mit dem Aussehen der damaligen Hunde.
Damals wurden viele Hunde gezüchtet für
aus heutiger Sicht rechts- und tierschutzwidrige Hundekämpfe,
und um andere Tiere zu töten, was den erfolgreichen Besitzern
viel Geld einbringen konnte. Das ist allerdings schon lange her:
1835 wurden die Hundekämpfe in England verboten. Und so ist
es auch biologisch unsinnig, eine Parallele zwischen einem Kampfhund
des Jahres 1800 und einem Familienhund aus heutiger Zeit ziehen
zu wollen.
Um 1865 kamen einige Staffords mit Einwanderern
nach Amerika und von da an lässt sich die Entwicklung bis
hin zum heutigen American Staffordshire Terrier leichter nachvollziehen.
Schon in den ersten Tagen der Kolonisation spielten diese Hunde
auf amerikanischen Farmen eine eigene Rolle, sie beschützten
die Kinder und Gebäude der Siedler sowie die auf der Farm
lebenden Tiere. Vermutlich war dieser Verwendungszweck der Hauptgrund
dafür, dass die Hunde der Einwanderer nach und nach größer
wurde und sich mehr und mehr von den englischen Verwandten unterschieden.
Eine Reihe von US-Züchtern begann schon früh,
ihre Hunde vom United Kennel Club (UKC) eintragen zu lassen, wo
sie ab 1898 als American Pit Bull Terrier geführt wurden.
Doch der größte Teil, oft solche, die auch in den USA
dem "Blutsport" nachgingen, behielten den Ursprung ihrer
mehr oder weniger erfolgreichen Akteure lieber für sich.
Gegen Ende des Ersten Weltkriegs war der Pit Bull
Terrrier in den USA ein sehr populärer Hund. Mit dem Aufkommen
des Tierschutzgedankens begannen mehrere Staaten in den USA nach
und nach, Hundekämpfe zu verbieten. Damit wurde der Dogfight
illegal und wanderte in den Untergrund.
Amerikaner, die nichts mit dem "Blutsport"
zu tun hatten sondern ihre Hunde als Familienhunde, Wachhunde
und "Farmarbeiter" hielten, wussten meist wenig über
die Rasse. Erst im Jahre 1921 wurde ein eigenes Zuchtbuch gegründet.
Der American Bull Terrier Club of Clay Center legte einen Rassestandard
nieder, Teile davon gelten noch heute.
In den 30er Jahren wurde Pit Bull "Pete"
zum berühmtesten Hund der Nation: In der Fernseh-Serie "Our
Gang", später bei uns bekannt als "Die kleinen
Strolche", war er der tierische Hauptdarsteller, der als
geliebter Kumpel die Kinder bei ihren Streichen begleitete.
Zeitgleich begann der American Kennel Club (AKC)
Druck auf den UKC auszuüben wegen seiner Promotion für
den Dogfight. Der UKC versuchte, sein Image zu wechseln und sich
gegen den Hundekampf und die damit oft verbundene sehr enge Inzucht
auszusprechen.
Im Jahre 1936 suchte eine Gruppe von Pit-Bull-Züchtern,
die mit den Hundekämpfen nichts zu tun haben wollte, die
Anerkennung durch den bedeutenderen AKC weil sie begriffen hatten,
dass die illegalen Hundekämpfe der offiziellen Verbreitung
ihrer großartigen Rasse im Wegen standen. In Anlehnung an
die ursprüngliche Heimat der Rasse, England, wurde der Name
"Staffordshire Terrier" aus der Taufe gehoben. Schönheitswettbewerbe
wurden für die neue Rasse organisiert, "Weightpulling"
(Gewichtsziehen) und Schutzhundeprüfungen wurden als ideales
Ventil für die überströmende Vitalität der
Hunde gefördert. AKC und UKC begannen, enger miteinander
zu arbeiten, sogar doppelte Registrierungen wurden erlaubt.
Am 23.05.1936 wurde die Rasse vom American Kennel
Club (Partnerorganisation der FCI für die USA) als Staffordshire
Terrier mit noch heute gültigen Rassestandards anerkannt.
Im Oktober 1974 wurde die Rasse in American Staffordshire Terrier
umbenannt, um Verwechselungen mit dem englischen Staffordhire
Bullterrier zu vermeiden.
In Deutschland gibt es innerhalb des Verbandes für
das Deutsche Hundewesen (VDH) drei Vereine, in denen bis zum unsinnigen
bundesweiten Zuchtverbot American Staffordshire Terrier gezüchtet
worden sind. AmStaff Ina ist einer der letzten Welpen aus der
Zucht des 1. American Staffordshire Terrier Clubs, deren Züchter
die Gesundheit und Wesensfestigkeit des sportlichen Hundes in
den Mittelpunkt ihrer Arbeit stellen, und nicht einem oberflächlichen
Schönheitsideal nachlaufen.
Dieses Detail ist interessant, denn ein Blick in
die Chronik des 1982 gegründeten 1. ASTC bringt die folgenden
bemerkenswerten Sätze zu Tage: "Als sich engagierte
Gebrauchshundeleute in Deutschland der Rasse annahmen, stellten
sie schnell fest, dass im Mutterland der Rasse die Schönheit
durch haarsträubende Inzuchtprogramme ohne die geringste
Leistungsselektion angestrebt wurde, dass Wesen und noch mehr
die Gesundheit total vernachlässigt und missachtet wurden.
Es wurde eine große Menge Hunde importiert. Es zeigte sich
jedoch, dass aus den Schönheitslinien kein einziger Hund
den hohen Anforderungen in Wesen und Gesundheit genügte.
Erst der Import von weniger schönen Hunden ohne Inzucht in
Verbindung mit registrierten Hunden brachten den gewünschten
Erfolg."
Damit schließt sich der Kreis zu meinen Eingangsbemerkungen:
Hund ist nicht gleich Hund, die Rassezugehörigkeit eines
Hundes allein sagt über die *Eigenschaften des einzelnen
Hundes nur wenig bis gar nichts aus.