Rassestandards beschäftigen sich überwiegend mit den eher unwichtigen Details eines Hundes: seinem äußeren Erscheinungsbild. Wichtig ist das nur im Sinne einer *funktionellen Anatomie, denn der Hund sollte so gebaut sein, dass er im natürlichen Sinne gesund leben und die ihm ursprünglich zugedachten Aufgaben auch erfüllen kann. Und er sollte so wesensfest sein, dass er unter den heutigen gesellschaftlichen Bedingungen harmonisch mit seinen zweibeinigen Partner leben kann. Alle anderen Gesichtspunkte, die einem vermeintlichen Schönheitsideal nachlaufen, sollten weniger bedeutend sein, vieles müsste sogar verboten werden, einiges ist es inzwischen auch - endlich. Denn manche Forderungen mancher Standards mancher Hunderassen wirken sich extrem negativ aus, und schon so manch eine Hunderasse ist als Folge des menschlichen Strebens nach angeblicher Schönheit von mehr oder weniger wohlmeinenden Tierfreunden gesundheitlich schwer geschädigt worden.

Die Wesenseigenschaften, die man der einen oder anderen Rasse zuschreibt, sind selbst dann mit Vorsicht zu genießen, wenn sie überwiegend zutreffend sein sollten, denn die falsche Gleichung, eine Rasse gleich eine Eigenschaft, ist die Ursache vieler Irrtümer und tierisch-menschlicher Katastrophen. Für alle Hunde gilt: Sie sind individuelle soziale Lebewesen, deren Verhaltensweisen weniger von ihrer Rassezugehörigkeit abhängig sind, als viel mehr von ihrer jeweiligen Herkunft, von den Umweltbedingungen unter denen sie aufwachsen, und zum größten Teil von der Art der Erziehung, die sie genießen dürfen. Innerhalb einer Rasse gibt es erhebliche - auch züchterisch bedingte - Unterschiede, die sich auch auf die Qualität (Gesundheit, Leistungsfähigkeit, Wesen) des Hundes positiv oder negativ auswirken können. Aber noch wichtiger als die Genetik ist die Erziehung, zu der nicht nur das Prägen des Hundes für die eigenen vier Wände, sondern dessen möglichst harmonische Anpassung an die heutigen Umweltbedingungen zählt, neudeutsch Sozialisation genannt. Vor diesem *wesentlichen Hintergrund sollten alle Rassebeschreibungen betrachtet werden, also auch die nachfolgenden.