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Diese dpa-Geschichte erschien bundesweit in diversen Tageszeitungen
Das Problem der gefährlichen Hunde wird von der Politik nicht gelöst, sondern nur zugedeckt"
Der Hundeliebhaber Wolfgang Marchewka und seine zweijährige American-Staffordshire-Hündin "Ina vom Klotzberg"
Rahnsdorf - Ina vom Klotzberg würde man gemeinhin als "Kampfhund" bezeichnen. Doch die zweijährige American Staffordshire-Dame aus dem Dörfchen Rahnsdorf im Landkreis Wittenberg gehört Wolfgang Marchewka (53). Der Journalist will von Kampfhunden nichts wissen und noch viel weniger von den Verordnungen, die die Haltung solcher Tiere regeln. Er hat Ina vom Klotzberg deshalb als Protesthund erzogen: Ihre Existenz, und zwar ausdrücklich als freundlicher Hund, soll die Diskussion um die Gefährlichkeit bestimmter Rassen ad absurdum führen. In Brandenburg ist Wesenstest möglich "Der ganze Denkansatz ist falsch. Die Verordnungen gehen von der Wirkung her ins Leere und richten zusätzlich noch Schaden an. Das Problem der gefährlichen Hunde wird von der Politik nicht gelöst, sondern nur zugedeckt", sagt Marchewka. Und dass will er sich gerichtlich bestätigen lassen. Über Inas Wesen kann es keinen Streit geben. Sogar tierärztlich wird ihr bestätigt, "ausgesprochen freundlich" zu sein. Das ist für die so Gelobte bitter, denn die Hundeverordnung in Sachsen-Anhalt birgt eine besondere Schärfe: Anders als im einen Steinwurf entfernten Brandenburg sieht sie keine Wesenstests vor, bei denen das Naturell von als gefährlich eingestuften Tieren geprüft wird. Deshalb gilt für Ina, sobald sie das heimische Grundstück verlässt, permanenter Maulkorb- und Leinenzwang, Gaststätten und Liegewiesen sind so tabu wie Fußgängerzonen oder öffentliche Veranstaltungen. Doch deshalb ist Marchewka nicht vor das Oberverwaltungsgericht in Magdeburg gezogen. Er lehnt die Einteilung von Hunden in "gefährliche" und "ungefährliche" Rassen ab: "Ich weiß, dass diese Diskussion schwachsinnig ist und das beweise ich am lebenden Objekt". So kam Ina im Jahr 2000 nicht zufällig in sein Haus, sondern er entschied sich in der Debatte nach dem Tod des durch zwei Pitbulls angegriffenen Volkan in Hamburg bewusst für die damals schon verfemte Rasse. Wie um ihm Recht zu geben, verkündeten vor wenigen Wochen die Hamburger Regierungskoalitionäre, man denke ernsthaft darüber nach, die an Rassen orientierte Hundeverordnung der Hansestadt abzuschaffen. In Nordrhein-Westfalen laufen derzeit Anhörungen für ein neues Hundegesetz. Im Mittelpunkt auch hier die Frage, ob ein Hund durch seine Rasse charakterlich bestimmt werden kann. Für die Diensthundeführer der Polizei bei Bund und Ländern gibt es keinen Zweifel: "Es gibt nachweislich keine gesteigert gefährlichen Hunderassen, sondern unabhängig von Rassen gefährliche Hunde", stellten sie in einer gemeinsamen Resolution fest. Die Polizisten sprechen noch ein Problem an, das Wolfgang Marchewka ebenfalls bewegt: "Hunde, die ... ausnahmslos mit Korb und an der Leine geführt werden müssen, werden nicht artgerecht gehalten. Diese Hunde können sich neurotisch und in der Folge übersteigert gefährlich entwickeln." "Ich verstehe nicht, dass trotz der Jahrtausende alten Partnerschaft zwischen Mensch und Hund so viele Menschen immer noch nicht wissen, was ein Hund eigentlich ist", sagt der Rahnsdorfer, der seit mehr als 20 Jahren Tiere vom Windhund über Friesenpferde bis zum Schäferhund hält. Vorschriften wie die über Maulkorb- und Leinenzwang seien nur mit diesem Unwissen zu erklären. Einen ersten juristischen Erfolg hat Marchewka erzielt: Ein Paragraf der Hundeverordnung von Sachsen-Anhalt, der die Sterilisierung seines Tieres vorschreibt, ist vorerst außer Vollzug gesetzt. In anderen Ländern haben Tierhalter ähnliche Erfolge vorzuweisen, das Bundesverwaltungsgericht hat eine Klage gegen die Verordnung von Mecklenburg-Vorpommern angenommen. Ungerührt von der juristischen Auseinandersetzung ist Ina vom Klotzberg. Ihre größte Sorge ist meist nur, wer als nächstes das Stöckchen schmeißt. Denn am liebsten ist auch der freundlichste Protesthund einfach nur Hund.
Von Justus Demmer (dpa) |