Super Sonntag Wittenberg 15.03.2001


Tierische Aktion gegen unsinnige Rasselisten

Ungewöhnlicher Test:
OB Naumann trägt
"Kampfhund" weg!



Zu einer ungewöhnlich tierischen Aktion kam es am Freitag in der Innenstadt: Der Wittenberger Oberbürgermeister Eckhard Naumann (SPD) stellte sich freiwillig dem "Duell" mit einem so genannten "Kampfhund". Die Hauptakteure, beide ohne Maulkorb, sollten auf Wunsch der Hundebesitzer beweisen, dass die in den deutschen Hundeverordnungen aufgestellte Behauptung von der "unwiderlegbaren Gefährlichkeit" bestimmmter Hunderassen unbegründet ist. Mensch und Hund bestanden den in seiner Art einmaligenWesenstest mit Bravour.
Wittenberg (red). Seitdem in Hamburg ein krimineller Hundehalter mit einem scharf gemachten Hund einen tödlichen Unfall verursacht hat, spielt die deutsche Nation verrückt: Aufgepeitscht von blutgeilen Massenmedien überboten sich eifrige Politiker im Aufstellen von Hundeverordnungen samt Listen von angeblich rassebedingt gefährlichen Hunden. Inzwischen ist bekannt, dass die Behauptung, Hunde seien aufgrund ihrer Rassezugehörigkeit gefährlich, einer wissenschaftlichen Überprüfung nicht standhält: das Problem ist nicht der Hund, sondern immer der Mensch, der seinen Hund mehr oder weniger gut erzieht.
Um das zu beweisen, hatten Ellen Rinke und Wolfgang Marchewka, gemeinsame Besitzer eines bundesweit als "unwiderlegbar gefährlich" gelisteten American Staffordshire Terrier, die Verwaltungsspitzen der Lutherstadt Wittenberg herausgefordert. Und zwar mit einer seltenen Übung, die sonst nur in internationalen Wettbewerben von Rettungshunden als Wesenstest auf dem Programm steht.
Dabei muss der Hundeführer seinen Hund auf den Arm nehmen, ihn mindestens zehn Meter tragen, den Hund dann einer dem Hund völlig fremden Person übergeben, die den Hund weitere zehn Meter vom Hundeführer wegträgt und ihn dann auf dem Boden abstellt. Während der gesamten Übung darf der Hund weder gegenüber seinem Hundeführer noch gegenüber der fremden Person Anzeichen von Aggressivität zeigen. Eine solche Prüfung können nur Hunde mit einem ausgeprägt menschenfreundlichen Wesen bestehen.
Die Stadtverwaltung Wittenberg stellte sich der tierischen Herausforderung, und am Freitag trat Oberbürgermeister Eckhard Naumann persönlich an, assistiert von Bürgermeister Hartmut Dammer und Ordnungsamtsleiter Jürgen Krause. Der Test verlief, wie von den Hundebesitzern vorausgesagt: die American Staffordshire Terrier-Hündin "Ina" spielte freudig mit, ließ sich mit aller Gelassenheit an den Oberbürgermeister übergeben und blieb auch ganz gelassen, als sich Eckhard Naumann mit dem Hund auf dem Arm entfernte. Hartmut Dammer und Jürgen Krause verfolgten die Szenerie mit sichtlichem Vergnügen.
Fazit: AmStaff Ina bestand den schwierigen Wesenstest mit Bravour und unterstrich damit die Erkenntnisse deutscher wie internationaler Wissenschaftler, nach denen ein Hund nicht aufgrund seiner Rasse gefährlich ist, sondern nur als individuelles Ergebnis eines gezielten Trainings.
Darüber herrschte auch in der Gesprächsrunde mit den Verwaltungsspitzen Einigkeit. Das Problem für Eckhard Naumann: "Wie können wir den unseriösen Hundehalten das Handwerk legen?"